Warum wir die deutschen Kernkraftwerke jetzt noch brauchen

Das Moormann-Wendland-Memorandum für eine neu aufgestellte Energiewende

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ZEIT-Artikel „Stoppt den Atomausstieg!“

Die Fridays for Future-Bewegung beschwört das Szenario jeden Tag: Deutschland verfehlt seine Klimaziele und steigt viel zu langsam aus der fossilen Energiewirtschaft aus. „Das hat vor allem mit dem verfrühten Atomausstieg zu tun“, sagen die Wissenschaftler Dr. Rainer Moormann und Dr. Anna Veronika Wendland. Sie brechen damit ein Tabu der deutschen Klimadiskussion, die sich seit Jahren um eine simple Tatsache herumdrückt: Kernenergie ist ein hochwirksames Instrument gegen klimaschädliche Emissionen in der Energiewirtschaft. Aus diesem Grunde sollte der Atomausstieg zurückgestellt werden, fordern Moormann und Wendland in einem wissenschaftlichen Memorandum, das hier erstmals veröffentlicht wird.

Dr. Rainer Moormann und Dr. Anna Veronika Wendland erläutern ihre Positionen im Video-Interview mit Simeon Preuß.

Moormann und Wendland kommen von völlig entgegengesetzten Positionen der Energiediskussion. Sie haben sich trotz vieler Kontroversen zusammengefunden, um dieses Memorandum zu schreiben, weil sie dies für das Gebot der Stunde halten. Der physikalische Chemiker Rainer Moormann arbeitete fast vier Jahrzehnte am Kernforschungszentrum Jülich und machte sich einen Namen als Kritiker der Atomindustrie. Die Historikerin Anna Veronika Wendland arbeitet an einem Marburger Forschungsinstitut zur vergleichenden Geschichte und Gegenwart der Reaktorsicherheit und forscht häufig in Kernkraftwerken. Das hat sie über die Jahre von einer Atomgegnerin zur Kernenergie-Befürworterin gemacht. Beide fanden nach langen Streitgesprächen zusammen, weil sie angesichts des Klimanotstandes radikale Schritte für dringend notwendig hielten. Auch unkonventionelle Schritte.

Eine Lösung für den Klimanotstand

Und unkonventionell ist Moormanns und Wendlands Vorschlag. Er bricht mit dem deutschen Atomausstiegs-Konsens und den üblichen Energiewende-Argumenten. Politische Konsense seien keine heiligen Kühe, meinen sie – unter neuen Rahmenbedingungen müsse man sie immer wieder neu in Frage stellen. „Immer mehr Erneuerbare nützen nichts, wenn es keine ausgereiften Speichermöglichkeiten für Grünstrom gibt“, sagt Anna Veronika Wendland. „Kernergie sollte daher in der Übergangszeit statt Kohle und Gas für die Absicherung der Erneuerbaren eingesetzt werden. Follow the science! heißt es doch immer auf den Klimaschutz-Demos. Dann müssen die Deutschen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass die Wissenschaft im Weltklimarat IPCC der Kernenergie eine bedeutende Rolle bei der Verlangsamung der Erderwärmung zuspricht.“

Angesichts des Klimanotstandes und der aktuell zu langsam voranschreitenden Energiewende schlagen die beiden Wissenschaftler vor, die noch am Netz befindlichen sechs deutschen Kernkraftwerke, die GER6, weiterlaufen zu lassen. Rainer Moormann: „Stattdessen sollten im selben Umfang besonders klimaschädliche Braunkohle-Kapazitäten rasch stillgelegt werden. Das würde die deutschen CO2-Gesamtemissionen um ca. 10 % senken. Erdgas als Backup für Erneuerbare, wie es die Bundesregierung plant, ist keine Alternative, denn es ist wegen seiner Methan-Emissionen genauso klimaschädlich wie die Kohleverbrennung.“ Falls bis 2030 die erforderlichen wesentlichen Fortschritte auf dem Weg zu Großspeichern für ein weitgehend auf Erneuerbaren Energien basierendes System nicht zu beobachten seien, müsste zwangsläufig über einen Neubau von Kernkraftwerken – zusätzlich zum Erneuerbaren-Ausbau – nachgedacht werden.

Das Memorandum

Das Moormann-Wendland-Memorandum kannst du hier in voller Länge lesen:

Warum wir die deutschen Kernkraftwerke jetzt noch brauchen
Vorschlag für eine neu aufgestellte Energiewende unter den Bedingungen des Klimanotstandes (PDF)

Eine Zusammenfassung ist als Gastbeitrag der Autoren in der Wochenzeitung DIE ZEIT erschienen:

„Stoppt den Atomausstieg!“

16.07.2020